Fluxbox entstand durch einen der großen Vorteile von freien
(Open-Source) Programmen. Einem überzeugten Nutzer des
Fenster-Managers Blackbox dem in der Version 0.61.1 ein paar
Funktionen und Optionen fehlten. Also nahm er sich den Quellcode vor
und erweiterte den Fenster-Manager seiner Wahl um diverse
Wunschfunktionen. Henrik Kinnunen nannte seinen erweiterten
Fenster-Manager Fluxbox.
Für viele Distributionen gibt es übersetzte Pakete.
Alternativ kann man sich den Sourcecode herunterladen und selbst
übersetzen.
Der Funktionsumfang und die Standarderscheinung eines frisch
installierten fluxbox richtet sich nach der installierten Version und
kann auch von Distribution zu Distribution variieren. Die Autoren haben
mehrere fluxbox-Versionen installiert: 0.1.7-3 und 0.1.14-4, wodurch
sich der Text auf diese beiden Versionen beziehen wird. Diese Versionen
werden mit Debian 3.0 (woody) und 3.1 (Sarge) ausgeliefert. Der
Inhalt dieses Textes sollte aber auch auf andere Versionen anwendbar
sein.
fluxbox ist ein schneller und ressourcenschonender Fenster-Manager, bei
dem man aber nicht auf den Komfort einer hochgradigen
Konfigurierbarkeit verzichten muss.
2 Aussehen und Bedienung
Beim ersten Start präsentiert sich fluxbox aufgeräumt und
meist sehr leer. Das läßt sich durch die vielseitigen
Konfigurationsmöglichkeiten aber einfach verändern. Ein Klick
mit der rechten Maustaste auf einen freien Platz der Arbeitsfläche
bringt das Fluxbox-Menü hervor. Sein Aussehen variiert stark, je
nach den getroffenen Einstellungen. Untermenüpunkte sind durch ein
kleines Symbol gekennzeichnet. Programmstarter haben kein Symbol neben
der Beschriftung. Ein Klick auf einen Programmstarter führt das
ausgewählte Programm aus. Mit dem Menüpunkt Exit
verläßt man fluxbox, Restart startet fluxbox neu, wobei die
geöffneten Programme nicht geschlossen werden. Der Menüpunkt
Reconfigure liest die Konfigurationsdateien erneut ein. Dies ist vor
allem nützlich, wenn man für fluxbox ein eigenes Aussehen
(Stil) kreiert, da man ansonsten den Fenster-Manager bei jedem Test
erneut starten müsste.
Normalerweise befindet sich am unteren Bildschirmrand die
Werkzeugleiste. In der Mitte wird der Text der Titelleiste des aktiven
Fensters angezeigt. Mit den beiden Symbolen rechts davon kann man
zwischen den geöffneten Programmen hin und her wechseln.
Standardmäßig kann dieselbe Funktion mit der
Tastenkombination Alt+Tab und Alt+Shift+Tab genutzt werden. Diese
Standardfunktion lässt sich allerdings auch auf andere
Tastenkombinationen legen. Dazu aber später mehr. Ganz rechts in
der Werkzeugleiste befindet sich eine Uhr. Auf der linken Seite
befindet sich die Arbeitsflächenanzeige. Mit den Pfeilen rechts
vom Arbeitsplatznamen, den man auch verändern kann, kann zwischen
den Arbeitsflächen gewechselt werden. Mit der Grundeinstellung
gelangt man über die Tastenkombination Alt+FX auf die
Arbeitsfläche X, sofern diese existiert. Im Fluxbox-Menü kann
man unter den Menüpunkten FluxBox und Workspaces den
Menüpunkt New Workspace aktivieren, um eine neue
Arbeitsfläche zu erhalten. Möchte man immer die gleiche
Einstellung hierfür verwenden, so hat man die Möglichkeit
dies in der Datei ~/.fluxbox/init unter dem Punkt
session.screen0.workspaces: Anzahl einzutragen. Außerdem hat man
die Auswahl zwischen den vorhandenen Arbeitsflächen und kann
direkt ein dort geöffnetes Programm verwenden. Des Weiteren kann
man die letzte Arbeitsfläche entfernen. Dieses Menü kann sich
auch an einer anderen Stelle befinden (je nach Konfiguration). Bei der
neueren, eingangs erwähnten Version befinden sich die
Workspaces-Einstellungen als Hauptpunkt im Fluxbox-Menü. Mit einem
Klick der rechten Maustaste auf die Werkzeugleiste kann man in dem
danach erscheinendem Kontextmenü den Ort der Werkzeugleiste
verändern und die aktuelle Arbeitsfläche umbenennen. Es kann
auch bestimmt werden, ob die Werkzeugleiste Fenster immer
überdeckt, oder ob sie automatisch verschwinden soll, wenn der
Mauszeiger von ihr entfernt wird.
Im Menü Styles lässt sich das Aussehen (Stil) von Fluxbox
einstellen. Es werden alle installierten Stile angezeigt, die in dem
systemweiten Verzeichnis /usr/share/fluxbox/styles und im
benutzereigenen Verzeichnis ~/.fluxbox/styles gefunden werden. Im
Letzteren kann jeder Benutzer seine eigenen Stile installieren,
während im Ersteren nur der Systemadministrator root dieses
Recht besitzt.
3 Besonderheiten
3.1 Vereinigung von Fenstern (Tabbing)
Jedes Fenster hat neben der Fensterleiste standardmäßig auch
einen Reiter, in dem die Titelleistenbeschreibung in Kurzform angezeigt
wird. Mit einem Klick der mittleren Maustaste (gedrückt halten)
kann man den Reiter in ein anderes geöffnetes Fenster ziehen (und
dann loslassen). Dadurch werden beide Fenster vereinigt. Es müssen
noch nicht einmal die gleichen Programme in den Fenstern ablaufen. Als
Ergebnis hat man ein Fenster mit zwei Reitern (das selbe Prinzip
verwendet das Konsolen-Programm screen). Durch das Herüberfahren
mit der Maus über einen der Reiter kann man im nachlässigen
Fokustyp (Sloppy Focus) zwischen den vereinigten Fenstern wechseln. Bei
der Verwendung anderer Fokustypen ist ein Klick mit der linken
Maustaste notwendig. Um vereinigte Fenster wieder zu trennen, muss nur
die oben beschriebene Prozedur umgekehrt werden: Klick mit der
mittleren Maustaste auf den Reiter des Fensters, welches man
verselbstständigen möchte, und anschließend den Reiter
auf einen freien Platz der Arbeitsfläche ziehen. Benutzer von
Zweitastenmäusen können (falls diese Option im XServer
eingeschaltet ist) durch das gleichzeitige Drücken der linken und
rechten Maustaste einen Klick mit der mittleren Maustaste simulieren.
3.2 Fenster verändern
Aktiviert man das Rechteck unter dem Reiter eines Fensters, so ist das
Fenster auf allen Arbeitsflächen zu sehen und verwendbar. Ein
Doppelklick auf die Titelleiste rollt das Fenster ein. Ein erneuter
Doppelklick rollt es wieder aus. Die drei Symbole am rechten Rand sind
wie gewohnt zum Minimieren, Maximieren und Schließen von Fenstern
zuständig. Ein Klick mit der rechten Maustaste öffnet ein
Kontextmenü. Darin kann man das aktuelle Fenster (Send to ...)
oder die aktuelle Fenstergruppe (Send Group to ...) auf eine andere
Arbeitsfläche schicken und die bisher erwähnten Aktionen
ebenfalls durchführen. Des Weiteren kann man das Fenster auf eine
niedrigere (Lower) oder höhere (Raise) Ebene schicken. Fenster auf
einer höheren Ebene überdecken dabei immer Fenster auf einer
niedrigeren Ebene.
Man kann ein Fenster ebenfalls mit gedrückter Alt-Taste und einem
Klick der linken Maustaste irgendwo auf das Fenster verschieben. Es
dürfte bekannt sein, dass man Fenster auch mit einem Klick der
linken Maustaste innerhalb der Titelzeile verschieben kann.
Während des Verschiebens des Fensters zeigt fluxbox zur
Information die Koordinaten der neuen Fensterposition relativ zur alten
an. Eine weitere sehr nützliche Funktion besteht darin, die
Fenstergröße verändern zu können. Am einfachsten
bewerkstelligt man dies, indem man die Alt-Taste gedrückt
hält und bei gedrückter rechter Maustaste das Fenster
vergrößert bzw. verkleinert.
4 Konfiguration
Fluxbox kann mit dem grafischen Werkzeug fluxbare oder direkt durch
Editieren der Konfigurationsdateien angepasst werden. Hier wird
Letzteres besprochen. Einige der Einstellungen lassen sich auch im
Fluxbox-Menü im Unterpunkt Configuration einstellen.
Es gibt systemweite Konfigurationsdateien, die bei den meisten
Distributionen als Vorlage für die benutzerdefinierten
Konfigurationsdateien verwendet werden. Sie liegen im Verzeichnis
/etc/fluxbox oder /etc/X11/fluxbox, je nach Distribution.
In der Datei menu werden die Inhalte des Fluxbox-Menüs festgelegt.
Diese Datei braucht man normalerweise nicht zu editieren, da neue
Programme nach einer Installation automatisch in die systemweite
Menüvorlage (/etc/fluxbox/fluxbox-menu, bzw.
/etc/X11/fluxbox/fluxbox-menu) mit aufgenommen werden.
Die Datei init legt die verschiedenen Verhaltensweisen des
Fenster-Managers fest. Unter anderem kann man die Namen und Orte der
Konfigurationsdateien festlegen.
4.1 Am Anfang war init
Die wenigen Optionen, die hier von der Datei init besprochen werden
beziehen sich auf die Lage und die Namen der anderen
Konfigurationsdateien, welche sich nicht im Fluxbox-Menü
einstellen lassen. Es sind:
Diese drei Zeilen legen den Ort und den Namen der Dateien fest, die das
Fluxbox-Menü, die Tastaturkürzel und den Stil festlegen.
Verweisen diese Einträge auf andere Dateien, so haben die
erstellten Dateien im home-Verzeichnis keinen Einfluss.
4.2 Konfiguration des Fluxbox-Menüs
Leerzeilen haben keinen Einfluss auf das Fluxbox-Menü. Kommentare
werden durch # eingeleitet. Alle Zeichen bis zum Zeilenende werden in
einer so gekennzeichneten Zeile ignoriert. Die Konfiguration beginnt
mit den Zeilen:
<Name> MENU
[begin] (<Name>>)
[end]
<Name> END
Die Überschrift des Fluxbox-Menüs wird durch <Name>
festgelegt. Der Rest der Konfiguration erfolgt zwischen den Zeilen mit
[begin] und [end]. Ein neues Untermenü wird mit den folgenden
Zeilen angelegt:
[submenu] (<Menü-Name>) {}
[end]
<Menü-Name> bestimmt den Namen des Untermenüs. Alle
Menüeinträge für dieses Untermenü sind zwischen den
Zeilen mit [submenu] und [end] einzutragen. Ein Untermenü kann
auch weitere Untermenüs enthalten. Bei einer solchen
Untermenüstruktur ist es ratsam, aber nicht zwingend notwendig,
eine entsprechende Einrückung der Zeilen vorzunehmen. Einen
Programmstarter legt man innerhalb eines Untermenüs mit der
folgenden Zeile fest:
[exec] (<Programmname>) {<ausführbare Datei>}
<Programmname> ist die Bezeichnung, die im Menü zu sehen
sein soll. Mit <ausführbare Datei> ist die Datei, die
ausgeführt werden soll gemeint. Die Angabe kann mit oder ohne
vollständigem Pfad erfolgen.
Tastaturkürzel werden im Allgemeinen, wenn nicht anders in der
init-Datei angegeben in der Datei keys in ~/.fluxbox festgelegt.
Genauso wie bei der Menü-Definition, leiten #-Zeichen auch bei den
Tastaturkürzel-Definitionen einen Kommentar ein. Als
Modifikationstasten stehen die Alt-Taste (Mod1 in der Definition), die
Umschalttaste (Shift in der Definition), die Strg-Tasten (Control in
der Definition) und die Windows-Taste (Mod4 in der Definition) zur
Verfügung. Die Tasten können selbstverständlich auch
zusammen benutzt werden. Ein Tastaturkürzel besteht aus mindestens
einer Modifikationstaste und einer Buchstaben-, Zahlen- oder Funktions-
(F1 - F12) Taste. Die Definition eines Tastaturkürzels sieht
folgendermaßen aus:
Dabei ist <Modifikationstaste(n)> entweder eine
Modifikationstaste oder Mehrere. Wenn mehrere Modifikationstasten
bestimmt werden, so müssen diese durch Leerzeichen getrennt werden.
Als Beispiel dienen die -- nach der Ansicht der Autoren -- besonders nützlichen Tastaturkürzel:
Control Shift s :ExecCommand import -window root -quality 75 `date +shot-%Y-%m-%d-%H%M%S.jpg`
Control Shift Tab :PrevTab
Control Tab :NextTab
Mod1 Shift plus :ExecCommand aumix -v+10
Mod1 Shift numbersign :ExecCommand aumix -v-10
Mod1 plus :MaximizeWindow
Mit Strg+Shift+s kann man nach erstens ein Bildschirmfoto mit dem Namen
shot-<Jahr>-<Monat>-<Tag>-<Stunde><Minute><Sekunde>.jpg
im aktuellen Verzeichnis ablegen. Nach der Definition von zweitens
schaltet das Tastaturkürzel Strg+Shift+Tab zwischen den
vereinigten Fenstern rückwärts um und nach drittens erlaubt
Strg+Tab das Umschalten vorwärts. Viertens und fünftens sind
nützlich, um mittels Alt+Shift++ oder Alt+Shift+- mit dem Programm
aumix die Lautstärke zu steuern. Mit sechstens lässt sich ein
Fenster maximieren.
Für die Steuerung der Fenster sind noch weitere Kurztasten sehr nützlich:
KP steht in diesen Beispielen für die Ziffernblocktasten. So
lassen sich mit 1-4 die Größe der Fenster per
Alt+Ziffernblocktaste[%,x,-,+] steuern. Mit 5-8 ist es möglich
mittels Alt+Ziffernblocktaste[4,8,6,2] die Fenster nach links, oben,
rechts und unten zu bewegen.
Das Umschalten zwischen den geöffneten Fenstern mit Alt+Tab
vorwärts, Alt+Shift+Tab, wie weiter oben beschrieben, ist
standardmäßig definiert mit:
Mod1 Tab :NextWindow
Mod1 Shift Tab :PrevWindow
Der Fantasie sind hierbei jedoch keine Grenzen gesetzt.
4.4 Fluxbox mit Stil
Im Fluxbox-Menü kann man im laufenden Fluxbox-Betrieb zwischen den
installierten Stilen wechseln. Es gibt systemweit installierte und
benutzerdefinierte Stile. Sie liegen in den Verzeichnissen
/usr/share/fluxbox/styles und ~/.fluxbox/styles.
Man kann sich neue Stile erstellen, vorhandene Stile abändern oder
Stile aus dem Internet herunterladen. Eine relativ große Auswahl
an Stilen ist beispielsweise unter den folgenden Adressen zu finden:
Das Schreiben eigener Stile und Abwandeln vorhandener Stile wird hier
nicht erklärt, weil diese Themen einen eigenen Text füllen
würden.
Einen neuen Fluxbox-Stil zu installieren, ist ganz einfach: Man kopiert
die Datei, die den Stil definiert in eines der beiden
Stil-Verzeichnisse. Um einen systemweiten Stil zu installieren,
benötigt man natürlich root-Rechte. Auf einen
benutzerdefinierten Stil kann selbstverständlich nur der jeweilige
Benutzer zugreifen. Der Name der Stil-Datei ist gleichzeitig die
Bezeichnung des Stils im Fluxbox-Menü.
Einige Stile verwenden Hintergrundbilder. Sie müssen
standardmäßig in einem der folgenden Verzeichnisse
hinterlegt werden /usr/share/fluxbox/backgrounds und
~/.fluxbox/backgrounds.
Dieses Verzeichnis wird allerdings durch das Kommando
rootCommand: bsetbg <Verzeichnis>/<Bilddatei>
in der Stil-Definition festgelegt, so dass dieser Ort, je nach Stil,
auch vom Standard abweichen kann. Man kann unter Fluxbox auch Blackbox
Stile verwenden, deshalb kann es manchmal vorkommen, dass man geringe
Änderungen an einem Stil vornehmen muss. So könnte es z.B.
sein, dass in einer Stil-Datei ein Eintrag folgender Form existiert:
Hier wäre es nötig den Pfadnamen zu berichtigen, damit der Stil auch das gewollte Hintergrundbild findet.
4.5 Fluxbox Desktop
Mit Fluxbox selbst ist es nicht möglich den Hintergrund zu
verändern, da dies nicht die Aufgabe eines Fenster-Managers ist.
Hierfür kann man das Programm Esetroot verwenden, das ein
Bestandteil des Programms Eterm ist. Normalerweise verwendet man unter
Fluxbox das Programm bsetbg, um den Hintergrund zu verändern, es
ist allerdings auch möglich, z.B. mit display -window root
datei.jpg (display ist Bestandteil von ImageMagick) den Hintergrund zu
verändern.
Ähnliches gilt für die Darstellung von Symbolen, mit denen
Programme auf dem Desktop gestartet werden. Dies ist mit Fluxbox allein
nicht möglich, allerdings gibt es die Möglichkeit einen
Desktop mit Fluxbox zu verwenden, indem man das Programm fbdesk oder
idesk benutzt. Dies alles ermöglicht Fluxbox: ein kleiner, aber
durchaus funktionaler Fenster-Manager.
Autor / Lizenz: Robin Haunschild & Nico Golde
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