IceWM ist ein Fenster-Manager für die grafische Oberfläche.
Er gehört nicht zu den großen Desktopumgebungen wie KDE und
GNOME. Trotzdem ist er ein Fenster-Manager, der auch ein gewisses
Maß an Komfort für Nutzer älterer Computer bietet.
Eine weitere Zielgruppe als Nutzer des IceWM sind Linux-Nutzer, die
Windows-ähnliche Oberflächen gewohnt sind. Ein großer
Vorteil des IceWM ist sein hohes Maß an Konfigurationsoptionen.
Des weiteren benötigt nicht jeder Linux-Anwender eine umfassende
Desktop-Umgebung. Für viele Zwecke reicht ein Fenster-Manager
vollkommen aus.
Dieser Text erhebt selbstverständig nicht den Anspruch auf
Vollständigkeit bezüglich der Konfiguration des IceWM. Er
soll dem Leser nur einen leichten Einstieg in die Nutzung des IceWM
ermöglichen und einige besonders nützliche
Konfigurationsoptionen vorstellen.
2 Aussehen und Bedienung des Fenster-Managers IceWM
2.1 Die Werkzeugleiste
Der IceWM zeigt sich in den meisten Standard-Installationen mit einer
Werkzeugleiste und schwarzem Hintergrund. Unten rechts in der
Werkzeugleiste ist eine Uhr zu sehen. Links neben der Uhr werden in
kleinen Grafiken die Prozessor- und Netzwerkkartenauslastung angezeigt.
Bewegt man den Mauszeiger über die Grafiken, so bekommt man in
einem kleinen Fenster nähere Informationen.
Weiter links in der Werkzeugleiste ist Platz für offene oder noch
zu öffnende Anwendungen. Dannach folgt der
Arbeitsflächenumschalter. Standardmäßig bringt der
IceWM vier Arbeitsflächen mit. Diese Anzahl läßt sich
auch erhöhen, aber darauf wird im Abschnitt Konfiguration
der Arbeitsflächen eingegangen. Die verwendete Arbeitsfläche
kann außer mit einem Klick auf das entsprechende
Arbeitsflächensymbol auch mit der Tastenkombination
Meta+Pfeiltaste nach links oder Meta+Pfeiltaste nach rechts gewechselt
werden. Zwischen den geöffneten Anwendungen auf der aktiven
Arbeitsfläche kann man mit der Tastenkombination Alt+Tab
vorwärts und mit Alt+Umschalttaste+Tab rückwärts
wechseln.
Neben den Arbeitsflächenumschaltern haben Schnellstarter ihren
Platz. Nach einer Standard-Installation verbergen sich dort Programme,
wie ein Terminal-Emulator und ein Web-Browser. Welche Programme exakt
bei einem Mausklick darauf gestartet werden, ist genauso von der
Konfiguration, wie auch davon welche Termial-Emulatoren / Web-Browser
installiert sind, abhängig.
Links von den Schnellstartern befindet sich die Fensterliste. Sie zeigt
nach einem Mausklick die gestarteten Programme an. Die Anzeige ist nach
Arbeitsflächen sortiert. Die Fensterleiste wird ebenfalls
angezeigt, wenn man mit der Maus auf einen freien Bereich der
Arbeitsfläche klickt. Ganz links befindet sich ein Knopf, der nach
einem Mausklick ein Menü häufig verwendeter Anwendungen
zeigt. Im folgenden wird er Menüknopf genannt. Ein Rechtsklick auf
die Arbeitsfläche öffnet an der Mauszeigerposition dasselbe
Menü. Standardmäßig enthält dieses Menü
Programme und Untermenüs. Welche Menüs und Programme
standardmäßig auftauchen, ist von der Gesamtinstallation des
Systems abhängig. Im Folgenden wird erklärt, wie man die
bisher genannten Elemente des IceWM verändern kann.
2.2 Die Fensterleisten
Die Titelzeilen von Fenstern werden beim IceWM sowohl bezüglich
ihrer Funktion als auch ihres Aussehens maßgeblich von dem
verwendeten Motiv bestimmt. Auf die Verwendung von Motiven wird
später genauer eingegangen. Die meisten Motive bieten aber einen
Knopf für das Fenstermenü, eine Minimieren-, Maximieren- und
Schließen- Funktion. Manche Motive bieten auch eine Einrollen-
(Fensterheber-) Funktion. Verwendet man ein Motiv, das einen dieser
Knöpfe einspart, so macht das gar nichts, denn über das
Fenstermenü sind die genannten und viele weiteren Funtkionen
erreichbar. Das Fenstermenü erscheint ebenfalls, wenn man mit der
rechten Maustaste auf die Titelzeile des Fensters klickt.
Zwei besonders nützliche Funktionen in dem Fenstermenü sollen
nicht unerwähnt bleiben. Mit der Ebenen-Funktion kann man
bestimmen, welche Fenster andere Fenster überdecken dürfen,
obwohl sie nicht aktiviert sind. Die Prioritätenverteilung geht
von Menü (überdeckt alle anderen Fenster) über normal
bis Desktop (wird von allen Anderen überdeckt). Mit verschieben
nach kann man das aktuelle Fenster auf eine andere Arbeitsfläche
verschieben.
3 Konfiguration des Fenster-Managers IceWM
Das Aussehen und die Funktionalität des IceWM wird in
verschiedenen Konfigurationsdateien festgelegt. Ein grafisches
Konfigurationswerkzeug fehlt ihm noch. Das mag zu Anfang abschreckend
wirken, aber nach einer kurzen Beschäftigung mit den
Konfigurationsdateien und ihrem Aufbau kann man seinen IceWM schneller
und einfacher konfigurieren als mit einem Kontrollzentrum für den
IceWM.
3.1 Ort der Konfigurationsdateien
Nach einer Standard-Installation des IceWM liegen die systemweiten Konfigurationsdateien bei den meisten Distributionen unter:
/etc/X11/icewm
Jedem Nutzer steht es frei, sich seine eigenen Konfigurationsdateien
für seine IceWM-Konfiguration anzulegen. Das geeignete Verzeichnis
(.icewm) dazu ist meist vom Benutzer in seinem persönlichen
Verzeichnis zu erstellen. Benutzerspezifische Konfigurationsdateien
liegen also im folgenden Verzeichnis:
$HOME/.icewm
Existieren sowohl systemweite, als auch beutzerspezifische
Konfigurationsdateien, so werden die benutzerspezifischen Dateien
für diesen Benutzer verwendet.
3.2 Konfiguration der Werkzeugleiste
Die Konfigurationsdatei, die das Aussehen und die Funktion der
Werkzeugleiste bestimmt, heißt toolbar. Der Inhalt sollte
folgendermaßen aussehen:
prog <Name> <Icon> <Programmdatei>
prog bedeutet, dass der Schnellstarter ein Programm starten soll. Dabei
sind <Name> der Name des Programms, <Icon> eine Bilddatei
(ggf. mit vollständigem Pfad) und <Programmdatei> die
ausführbare Datei, um das Programm zu starten. Der Autor hat
beispielweise den folgenden Eintrag hinzugefügt:
prog Dillo -- dillo
Dillo ist der beschreibende Name des Programmes. Er erscheint, wenn man
den Mauszeiger über den Schnellstarter bewegt. Anstatt einer
Bild-Datei folgen zwei Bindestriche. Daher wird kein Bild angezeigt.
Stattdessen erscheint auf dem Knopf <Name>, hier also Dillo.
dillo ist der Name der ausführbaren Datei. Sie liegt beim Autor im
Suchpfad. Programmnamen mit Leerzeichen müssen in
Anführungsstriche gesetzt werden. Werden ausführbaren Dateien
mit Optionen (von Leerzeichen getrennt) angegeben, so müssen diese
nicht in Anführungsstriche gesetzt werden, Beispiel:
prog "Elvis X11" -- /usr/bin/elvis -G x11
3.3 Konfiguration des Menüs
Das Aussehen und die Funktion des Menüknopfes werden durch die
Datei menu bestimmt. Die Datei kann die folgenden Elemente enthalten:
Die erste Zeile ist im Abschnitt Konfiguration der Werkzeugleiste
erläutert worden. Sie hat hier dieselbe Bedeutung. Der Befehl
separator bewirkt die Abtrennung durch einen horizontalen Strich in dem
Menü.
menu bedeutet, dass hier ein Untermenü definiert wird.
<Name> ist die Bezeichnung des Untermenüs, die im Menü
zu sehen sein soll. Anschließend muß ein folder { folgen.
Dieses Untermenü kann sowohl Programmstarter also auch weitere
Untermenüs enthalten. Das Ende des Menüs wird durch }
gekennzeichnet. Die Einrückung im obigen Beispiel ist freiwillig
und sorgt nur für Übersichtlichkeit.
Die Datei programs bestimmt das Aussehen des Untermenüs Programme.
Der Aufbau von programs folgt dem obigen Schema. Daher kann die Datei
programs wie oben beschrieben verändert werden.
3.4 Weitere Konfigurationsdateien
In der Datei preferences können viele Eigenschaften des IceWM
festgelegt werden. Die einzelnen Optionen und Schalter sind gut
kommentiert. Ein Kommentar beginnt in den IceWM-Konfigurationsdateien
mit einem #. Das gilt nicht nur für die Datei preferences, sondern
für die anderen IceWM-Konfigurationsdateien.
Die Datei keys definiert Tastaturkürzel. Eine Zeile wie z. B.:
key "Alt+Ctrl+d" dillo
bewirkt, dass bei dem gleichzeitigen Drücken der Tasten Strg+Alt+d dillo gestartet wird.
3.5 Konfiguration der Arbeitsflächen
In der Datei preferences wird unter Anderem die Anzahl und die Bezeichnung der Arbeitsflächen festgelegt. Die Zeile
WorkspaceNames=" 1 ", " 2 ", " 3 ", " 4 "
ist die Standardeinstellung. Sie legt fest, dass es vier verschiedene
Arbeitsflächen gibt, die mit 1, 2, 3 und 4 bezeichnet sind. Die
Bezeichner können auch Buchstaben sein. Daher kann man sich
Arbeitsflächen für E-Mail, Büroprogramme, u.s.w
reservieren und sie auch dementsprechend bezeichnen, Beispiel:
Mit IceWM-Motiven kann man das Aussehen des IceWM noch mehr
verändern. Je nach Installation sind mehr oder weniger Motive
installiert. Man kann sich von mehreren Seiten im Internet die
verschiedensten Motive herunterladen. Durch einen Klick auf den
Menüknopf und Motive bekommt man eine Auswahl der installierten
Motive angezeigt. Das Standard- Motiv des IceWM ist Infadel2.
Es gibt systemweit installierte Motive, und Motive die nur der Benutzer
verwenden kann, der sie installiert hat. Erstere liegen unter dem
Verzeichnis:
/usr/share/icewm/themes
Motive eines Benutzers liegen unter:
$HOME/.icewm/themes
Andere Distributionen, andere Pfade: RedHat beispielsweise verwendet die folgenden Pfade:
/usr/share/apps/kwin/icewm-themes (systemweit) und /home/user/.kde/share/apps/kwin/icewm-themes (Benutzer-Motive)
Ein Motiv besteht aus einem Verzeichnis, das den Motivnamen trägt, sowie Bild- und Konfigurations-Dateien.
Damit man nicht nach jedem IceWM-Start sein Lieblingsmotiv einstellen
muss, kann man einen eigenen Standard setzen. Je nach Version fügt
man eine Zeile wie:
Theme="<Motiv>/default.theme"
in die Datei preferences hinzu oder erstellt eine Datei mit dem Namen
theme mit dieser Zeile als Inhalt. Anstatt <Motiv> setzt man den
Namen des Motivs ein, Beispiel: Um das Motiv 18k als Standard zu
setzen, wäre die folgende Zeile nötig:
Theme="18k/default.theme"
3.7 Icons
Von Haus aus bringt der IceWM keine Icons auf der Arbeitsfläche
mit. Es gibt jedoch Wege und Möglichkeiten, Icons mit ihm zu
verwenden. Zwei Möglichkeiten, den IceWM mit Icons auszustatten
werden nun beschrieben:
Der Desktop-File-Manager (DFM) erzeugt Icons auf der IceWM-
Arbeitsfläche. Außerdem erzeugt ein Rechtsklick mit der Maus
auf einen freien Teil der Arbeitsfläche bei aktiviertem DFM ein
anderes Kontextmenü. Man ruft den DFM mit dfm" auf. Die Datei
sollte im Suchpfad liegen. Bei einer Debian-Installation lautet der
komplette Pfad beispielsweise: /usr/bin/dfm
Das andere Programm, das dem IceWM Icons verschafft ist der GNOME-
Midnight-Commander. Er wird mit gmc aufgerufen, wenn er installiert
ist. Bei einer Standard-Debian-Installation liegt der gmc in demselben
Verzeichnis wie dfm. Der gmc verwendet GNOME-Icons zur Anzeige. Die
Icons und der Datei-Manager des DFM wirken gegen die GNOME-Icons und
den gmc etwas spartanisch.