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IPv6 - Und was man davon hat
Einleitung:
Mittlerweile hört man es schon die Spatzen von den Dächern pfeifen. Die Anzahl der freien IPv4 Adressen wird knapp. Spätestens 2012, so schätzen Experten, wird es keine freien IPv4 Adressen mehr geben. Das würde bedeuten, dass keine weiteren Rechner an das Internet angeschlossen werden können. Darum wurde 1995 die Arbeit an IPv6 begonnen. Die größte Neuerung ist wohl die Vergrößerung der verfügbaren Adressen. Bei IPv4 sind es etwa 4,3 Milliarden, bei IPv6 sind es ca. 340 Sextillionen. Das ist eine 340 gefolgt von 36 Nullen, eine unvorstellbar große Zahl.
Da das IPv6 Protokoll allerdings noch nicht bei allen Systemen implementiert ist und noch nicht überall fehlerfrei läuft, wird es bislang kaum genutzt. So bekommt jeder normale DSL Nutzer von seinem Provider immer noch eine IPv4 Adresse, um Verbindung mit dem Internet auf zu nehmen. Allerdings gibt es schon einge Websites und andere Services, die bereits IPv6 unterstützen. Damit man diese Dienste allerdings nutzen kann, benötigt man eine IPv6 Adresse.
Das folgende Tutorial soll zeigen, wie man eine IPv6 Adresse bekommen kann und was man davon hat.
Wie ich eine IPv6 bekomme:
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist es schwierig/unmöglich, direkt vom Internet Service Provider eine IPv6 zu erhalten. Allerdings gibt es eine andere, recht einfache Möglichkeit - einen Tunnel. Es gibt einige Anbieter, die es ermöglichen, einen Tunnel zu nutzen, um an eine IPv6 zu kommen. Einer dieser kostenlosen Anbieter ist Hurrican Electric (http://tunnelbroker.net). Dort können Sie sich kostenlos registrieren und erhalten dann per Mail Zugangsdaten, um sich in den internen Bereich ein zu loggen. Nach dem Login müssen Sie auf der linken Seite den Eintrag "Create Regular Tunnel" anklicken. Auf der folgenden Seite müssen Sie ihre IPv4 Adresse eingeben, die ihnen ihr Provider zugeteilt hat. Am einfachsten erfahren Sie diese auf www.wieistmeineip.de. Außerdem müssen Sie einen Server aus der Liste wählen. Am besten einen, der geografisch möglichst in Ihrer Nähe liegt. Nach einem Klick auf "Submit" ist der Tunnel schon einsatzbereit. Nun müssen Sie allerdings ihrem System noch mitteilen, den Tunnel zu nutzen. Klicken Sie dazu auf "Tunnel details", um folgende Ansicht zu erhalten.

Tunnel Details

Mit einem weiteren Klick auf "Show Config" zeigt Ihnen die Seite direkt an, was Sie unternehmen müssen, um den Tunnel auf ihrem System zu benutzen. Geben Sie die Kommandos einfach in ein Terminal Fenster ein. Vor die Befehle sollten Sie bei Ubuntu jedoch noch ein "sudo" hängen. Zum Beispiel so:

sudo ifconfig sit0 up
sudo ifconfig sit0 inet6 tunnel ::216.66.84.46
sudo ifconfig sit1 up
sudo ifconfig sit1 inet6 add "ihre IPv6 Adresse"
sudo route -A inet6 add ::/0 dev sit1

Nachdem Sie die Befehle eingegeben haben, ist der Tunnel einsatzbereit. Ob Sie jetzt wirklich über eine IPv6 Adresse verfügen, können Sie ganz einfach testen. Ein Besuch auf http://go6.net/ verrät ihnen ihre aktuelle IP-Adresse und um welchen Typ es sich handelt.
Sollten Sie dennoch keine IPv6 Adresse haben, überprüfen Sie bitte, ob ihr Router vielleicht ICMP Anfragen verwirft. Sie müssen an-pingbar sein, damit der Tunnel funktioniert.
Außerdem müssen Sie ihre IPv4 Adresse bei tunnelbroker aktualisieren, da ihr ISP ihnen alle 24 Stunden eine neue erteilt. Weiterhin sind die Einstellungen, die Sie an ihrem System vorgenommen haben, nach einem Neustart wieder verschwunden.
Was bringt mir meine neue Adresse:
Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu ihrer neuen IPv6 Adresse. Nun stellen Sie sich sicherlich die Frage, was sie davon haben. Obwohl IPv6 kaum verbreitet ist, gibt es schon einige interessante Anwendungen und Anbieter, die IPv6 unterstützen. So hat Google zum Beispiel schon eine Subdomain extra für das neue Protokoll eingerichtet.
http://ipv6.google.com/
Aber ich möchte Ihnen noch zwei interessantere Anwendungen zeigen.
Das ganze Usenet kostenlos:
Sicherlich haben Sie schon einmal von Firstload oder UseNEXT gehört, die einen kostenpflichtigen, aber unbeschränkten Zugang zum so genannten Usenet anbieten. Über normale Usenet-Server bekommt man z.B. keinen Zugriff auf die binary Rubrik.
Mit ihrer neuen IPv6 Adresse gibt es allerdings einen völlig legalen, kostenlosen Weg, vollen Zugriff auf das Usenet zu erhalten. Es gibt nämlich einige Usenet Server, die über IPv6 kostenlosen Zugang zu diesem Netzwerk gewähren. Dazu benötigen Sie erst einmal einen IPv6 fähigen Clienten. Ich benutze in diesem Beispiel Pan. Unter Ubuntu kann er einfach mit
sudo apt-get install pan
installiert werden. Nach der Installation finden Sie Pan bei den Netzwerkanwendungen. Beim ersten Start fragt das Programm nach einem Newsserver. Geben Sie hier als Server z.B.
newszilla6.xs4all.nl
ein. Nach einem Klick auf OK verbindet sich Pan mit dem Server und ruft die Group Liste ab. Jetzt können sie ungestört in allen Newsgroups teilnehmen und auch in den binary Groups Dateien tauschen.
Dort sind aber leider auch eine Menge Raubkopien zu finden. Lassen Sie sich nicht verführen, denn das Herunterladen von urheberrechtlich geschützem Material ist illegal. Nutzen Sie lieber die Software aus den Ubuntu Repositories. Die Software, die Sie dort finden, ist garantiert kostenlos und legal.
Quake 3 über IPv6:
Eine weitere Interessante Anwendung für die Spieler unter Ihnen ist das Spiel Quake 3. Nach der Freigabe des Quellcodes durch id-Software haben sich mehrere Fan Projekte rund um den Quellcode gebildet. Die Gruppe ioquake3 hat den Quellcode zum Beispiel so verändert, dass der Netzwerkmodus auch IPv6 unterstützt. Unter
http://ioquake3.org/get-it/angst-builds/
können Sie die Binärdateien für Linux, Mac und Windows herunterladen. Nach der Installation müssen Sie nur noch die Quake 3 Texturen von ihrer Original CD in das Verzeichniss der installierten Dateien legen. Unter
quake3.hexago.com
finden Sie einen IPv6 fähigen, dedicated Server, um Quake 3 online zu spielen.

Autor / Lizenz: Jens Kompter / GPL

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